Bridging the Gaps - Die Summer University der Europäischen Grünen
23. Juli 2008
Letzten Freitag – und ich weiß, diese Meldung kommt deswegen äußerst spät – fand ich endlich Zeit, mich für die Summer University der European Young Greens anzumelden. Ein Event, der mir von Dany Cohn-Bendit ans Herz gelegt wurde. Sehr schön finde ich, dass die Veranstaltung nach Frankfurt/Oder und Słubice gelegt wurde. Zwei Städte, die durch die Oderbrücke verbunden sind und welche damit schön zum Thema passend einen Brückenschlag vollzieht. Vom 28. bis 31. August ist hier hoffentlich der Teufel los.

Wann ich anreise ist noch nicht ganz klar, frühestens jedoch am zweiten Tag, also dem Freitag. Da dieser Tag allerdings mein letzter Arbeitstag ist, naja, ihr wisst schon. Tränen und so.
What kind of Europe do we need? What kind of Europe do we want for the 21st century? How can we fight climate change? How to deal with the economic and social consequences of globalisation? How best to strengthen our open, democratic and pluralistic society?
From 28 to 31 August 2008, the Greens/EFA Group in the European Parliament in cooperation with the European Green Party as well as the German and Polish Green parties, Bündnis 90/die Grünen and Zieloni 2004 will hold the first “Green European Summer University” at the German Polish border in Frankfurt/Oder and Słubice.
Da ich ab Herbst wieder voll in die Politik einsteigen will und das in Berlin hoffentlich unterhaltsamer ist als in Passau, bin ich schon total gespannt. Schön wäre, an der Eröffnungsplenarsitzung «What Future for Europe» teilzunehmen. Besonders unter den Schwierigkeiten (Nein der Iren zum Reformvertrag, Kaczynskis vorauseilendes Nein, massive Kritik in Österreich), vor denen die EU zur Zeit steht, wird diese Diskussion spannend. Am Samstag gibt es sehr schöne Workshops (Vormittags: Asylum & Integration; Nachmittags: Fair trade: Challenges of going mainstream) und hoffentlich eine gute Party.
Leider fällt der Sonntag flach, da am Abend in München das Nike Human Race stattfindet, bei dem ich auch am Start bin. Und so beginnt der Freizeitstress :)
Ich kann diese Veranstaltung nur jedem Europainteressierten ans Herz legen. Ich hoffe, die Erwartungen werden nicht entäuscht.
PS: mich würde interessieren, ob Frau Zeitrafferin auch kommt?
PPS: Die Zeit hat übrigens eine schöne Serie über Europas neue Bedienungsanleitung im planet-in-progress-Blog herausgebracht. Sehr lesenswert!
Mediaspree versenken
20. Juni 2008
So Leudde, der «Kuzrurlaub» ist vorbei, gleich geht's in Flieger nach Nürnberg. Aber vorher muss ich euch noch ein wunderbares Video zeigen, das mich als Bald-Berliner auch betrifft. Nämlich die drohende Mediaspree. Ein ziemlich geiles Video!
Mediaspree Versenken von Pappsatt bei Vimeo.
Mehr Infos gibt's auf Mediaspree versenken.
(via)
Die Sache mit den Farben
16. Juni 2008
Das Thema begegnet einem aber auch ständig zur Zeit. In meinem Umfeld bin vor allem ich es, der die Leute auf die Nase haut. Was ist es, dass plötzlich alle mit Deutschlandfähnchen auf der Backe rumlaufen? Bisher hab ich einen Aspekt noch nie so formuliert wie Frédéric von Spreeblick, nämlich:
(...) Die Kombination aus Tiefschwarz, Verkehrsrot und Rapsgelb ist derart abstoßend, dass sie sich außerhalb Deutschlands in dieser Verteilung nur noch Belgien, Saugeais und Besançon hat durchsetzen können. Hässlicher als die deutsche Flagge ist vielleicht noch Franjo Pooth, aber auch das ist nicht sicher. (...)
Mein Argument war schlicht, dass die deutsche Flagge einfach hässlich ist. Punkt. Hat meist den Argumenten standgehalten.
Was aber wirklich gefährlich ist bei der Aussage, dass sich das ganze «doch nur um Fußball handelt» ist, dass die Leute nur zusehen können. Sie können nur sehen, wie Deutschland gegen Kroatien verliert – und danach haun sie vor Ohnmacht und Hilflosigkeit einem Kroaten auf die Schnauze.
Bei der WM war es anders. Da waren die Deutschen nicht allein im Land – es waren Aufpasser und Dämpfer hier. Wenn Deutschland spielte und man beim Public Viewing zuguckte, standen genügen Kanadier, Türken, Brasilianer dabei – machen wirs kurz: das Publikum war bunt gemischt, die ganze Welt war da. Da konnte man nicht einfach ausflippen und jedem Nichtdeutschen aufs Maul geben. Beim ersten Deutschlandspiel dieser EM wurde mir aber klar, dass es jetzt anders ist. Da wird, wenn die Zuschauer keine Stimmung in der Fuzo machen, «und ihr, wollt gute Deutsche sein?!» skandiert, die fünf Polen in der Menge ständig geschubst und angepöbelt und mit einem gegrölten «Deutschlands Panzer rollen wieder» dem ganzen die Krone aufgesetzt.
Ein Einzelfall? Wohl kaum. Kollegen erzählten mir von anderen Public Viewing Veranstaltungen bei denen es genauso, wenn nicht heftiger zuging.
Hans-Christian Ströbele hat für den Tagesspiegel einen schönen Essay geschrieben, der meine Gefühle sehr gut wiederspiegelt und den ich nicht zitieren kann. Er muss einfach ganz gelesen werden.
Eines meiner Argumente erzeugt ganz oft ein langes Nachdenken: ich bin 3 km von der Grenze zu Österreich geboren. Wäre ich nur ein wenig weiter östlich frisch gepresst worden, wäre ich jetzt Österreicher und könnte mich über Córdoba freuen. Also: was habe ich schon geleistet, dass ich so stolz sein könnte, ein Deutscher zu sein? Wieso MUSS ich mich mit dieser Nationalmannschaft identifizieren? Wieso MUSS ich einen schwarz-rot-goldenen Lappen schwenken? Denn das wird oft verlangt?
Deswegen konnte ich die Idee von Grenzen noch nie so ganz verstehen. Und nur damit wir uns richtig verstehen. Mein Team in diesem Turnier – und auch bei der WM 06 schon – ist Deutschland. Warum? Weil es Grenzen eben gibt. Und weil dieses Team die Region vertritt, in der ich zur Zeit lebe. Weil sie meistens schönen Fußball spielen. Weil das Land kompakt gesagt gar nicht schlecht ist.
Die anderen europäischen Länder allerdings auch nicht. Deswegen habe ich noch eine zweite Mannschaft für die mein Herz schlägt – und das fast mehr als für Deutschland: Italien. Wieso? Weil ich von dieser Region überzeugt bin. Die Menschen sind fröhlich, freundlich, die italienische Küche ist mitunter die Beste, die Landschaft und das Klima sind wunderbar. Natürlich gibt es auch hier Nationalisten. Auch hier ist die Geschichte sehr brisant. Trotz alledem besitze ich eine Italienflagge. Und ich nutze sie bei solchen Turnieren. Schon allein deswegen, da ich schon mal kaum als Nationalist in Italien gelten kann – schließlich bin ich dort Ausländer. Aber auch wegen meiner Vergangenheit. Monatelang, ach, jahrelang bin ich fast jedes Wochenende nach Italien und habe dort meine damalige Freundin besucht, viele Freunde gefunden und mich schließlich in dieses Land verliebt.
Vielleicht ist es für manchen nicht ganz schlüssig wie ich denke. Ich muss auch zugeben, dass ich mit der Tatsache, Deutschland mitunter zu favorisieren, Bauchweh habe. Das ganze ist eine kognitive Dissonanz, die ich noch nicht gelöst habe. Wer weiß, vielleicht hilft dieser Post oder Kommentare dazu, die Blockade zu lösen.
Und zum Schluss möchte ich noch auf die Aktion Deutsch mich nicht voll verweisen. Schön zu sehen dass es noch mehr Menschen gibt, die zumindest so ähnlich denken wie ich.
Nachtrag: Herr Metronaut regt sich auch über diesen «lockeren Patriotismus» auf.
Boykottmail / Bitte mal nachdenken
5. Juni 2008
Dieser Post kostet – Nerven, Zeit, Nerven ... Aber es führt kein Weg daran vorbei. Seit gestern werde ich mit Kettenmails bombardiert. Genauer gesagt handelt es sich um eine einzige, die ich schon von vielen verschiedenen Absendern bekommen habe. Als letztes hat sich sogar mein Chef eingereiht und sie an das ganze Büro verschickt. Es handelt sich um einen wütenden Aufruf, die «zwei größten Ölkonzerne» Shell und Total zu boykottieren.
Immerhin, es regt sich etwas in der Gesellschaft – auch wenn es nur am Bildschirm ist. Allerdings kann man durch ein wenig Recherche herausfinden, dass diese Mails jedes Jahr, meist im April oder Mai, auftreten und fast immer gleich sind. Auch der Branchenverband der Tankstellenbetreiber bestätigt das und fügt hinzu, dass sie grundsätzlich keine Wirkung zeigen. Die Bequemlichkeit ist wohl doch zu groß.
Jetzt ist man ja quasi schon in der Recherche, weshalb man auch mal kurz nachsehen könnte, wer denn jetzt die größten Ölkonzerne sind. Laut der Fortune Global 500 sind in den Top 10 der größten Unternehmen weltweit 6 Ölkonzerne. Diese sind Exxon Mobile (Platz 2, $ 347,3 Mrd. Umsatz, $ 39,6 Mrd. Gewinn), Royal Dutch Shell (Platz 3, $ 318,8 Mrd. Umsatz, $ 25,4 Mrd. Gewinn), BP (Platz 4, $ 274,3 Mrd. Umsatz, $ 22,0 Mrd. Gewinn), Chevron (Platz 7, $ 200,6 Mrd. Umsatz, $ 17,1 Mrd. Gewinn), ConocoPhillips (Platz 9, $ 172,5 Mrd. Umsatz, $ 15,6 Mrd. Gewinn) und Total (Platz 3, $ 168,4 Mrd. Umsatz, $ 14,8 Mrd. Gewinn). Man sieht also, dass diese Mail das erste Mal lügt. Boykottieren sollte man, wenn überhaupt (später mehr), Esso und Shell.
So, und jetzt kann ich großkotzig werden. Wir befinden uns hier auf zementierten Märkten. Das einzige, wie auf dem Ölmarkt etwas geholt werden kann, ist, dass man sich vom Konkurrenten in Sachen Service, Werbung oder Qualität unterscheidet. Wie die Konzerne das genau machen können wir jeden Tag beim Bezahlen feststellen. «Sammeln Sie unsere Treuepunkte?» dröhnt es einem da entgegen. Und so werden die Kunden gehalten. Ansonsten wird sich dort aber nicht viel tun. Es hat sich halt so eingebürgert, dass einmal der Eine den Preis diktiert, danach dann der Andere usw. So gehen dieser immer ein wenig nach oben. Wieso denn nicht nach unten? Auch wenn der Liter 2 Euro kostet wird nicht weniger gefahren. Wie ich sowas sagen kann? Man muss sich nur mal 5 Minuten auf eine Bank neben der Straße sitzen und die SUV, Geländewagen und überdimensionierten Autos zählen, die an einem vorbeifahren. Und wenn man sich einen Spaß daraus machen möchte zählt man noch die Anzahl der Fahrgäste, die in den Autos sitzen. Nach fünf Minuten kommt man in etwa auf einen Schnitt von 1,2 Personen pro Spritfresser.
Aber das ist nicht das einzige. In unserer Gesellschaft muss jeder flexibel sein. Sogar wenn man zu einem Kurztripp nach Berlin aufbricht muss man scheinbar so flexibel sein, dass man innerhalb von 5 Minuten wieder den Heimweg antreten können muss. Denn: die Bahn fährt schließlich nur 2 Mal am Tag in Berlin ab. Da ist man sowas von verflucht unflexibel, das geht auf keine Kuhhaut.
Dazu eine kleine Anekdote. Eine Freundin fuhr jemanden in Berlin besuchen. Auf meine Frage, wie sie hinfährt, kommt ein «na mit dem Auto. Ich will ja schließlich flexibel sein.». In Berlin angekommen geht sie auf ein Konzert und könnte mit der Band im Bandbus weiter fahren bis nach Dresden. Aber ach, da ist das blöde Auto. Jetzt kann die Gute leider nicht flexibel sein und muss in Berlin bleiben. Die Kosten für die Reise waren schnell errechnet. Pro Strecke musste zweimal getankt werden, also überschlagen 160 Euro. Von dem Geld setze ich mich in einen Zug und verbringe einige lustige Stunden mit den Mitreisenden oder einem schönen Buch.
Soviel zur flexiblen Gesellschaft. Scheinbar erwartet jeder, dass in den nächsten Minuten die Mutter stirbt und man deshalb SOFORT nach Hause muss.
Jetzt mal angenommen der Boykott würde funktionieren. Was dann? Shell beschäftigt ungefähr 112.000 Angestellte, Total circa 95.000 Beschäftigte. Kann man sehen worauf ich hinaus will?
Außerdem. Die Ansage ist bekannt: bis Ende 2008 wird nicht mehr bei diesen Firmen getankt. Wieso sollen denn die anderen Ölfirmen mit dem Preis runtergehen? Schließlich wird bis 2009 nicht mehr bei Shell und Total getankt. Und falls dann dieser Boykott doch mitten im Jahr aufgelöst werden würde, dann wären die Preise gleich wieder auf der Höhe wie die anderen Tankstellen. Schließlich gleichen sich die Preise in einem Oligopol immer an.
Eine Ausnahme wäre eine Marktverdrängungsstrategie (wie bei MediaMarkt), die aber nicht funktioniert, da die einzelnen Tankstellen und Ölfirmen so untereinander verwoben sind, dass niemand aus dem Markt gedrängt werden kann.
Was also tun? Ich will hier niemanden vom Autofahren abhalten. Ich selber muss zur Zeit noch täglich pendeln. Was man aber tun könnte wäre auf seinen Verbrauch zu achten, keine Spritfresser kaufen, auf Bus und Bahn umsteigen, Fahrgemeinschaften nutzen, Trampen und/oder Tramper mitnehmen, Taxi fahren, Rad fahren, zu Fuß gehen, vermeidbare Fahrten vermeiden, auf andere Technologien wie etwa Erdgas umrüsten.
Was man noch tun kann, auch wenn viele jetzt sagen «Puh ich weiß nicht, da muss ICH persönlich ja was machen.» Man kann auf die Straße gehen und demonstrieren. Gegen was? Gegen die Mineralölsteuer zum Beispiel. Denn die macht immer noch den größten Teil aus am Herzinfarkt an der Kasse.
Das kann aber nicht die Lösung sein. Denn eines ist klar. Das Öl WIRD ausgehen. Eines Tages haben wir halt kein Öl mehr, und dann müssen Alternativen zur Verfügung stehen. Ob wir wollen oder nicht. Also sollten wir vor allem mit unserem demokratischen Mittel entscheiden und zur Wahl gehen. Es gibt auch Parteien die die Förderung von Alternativen unterstützen. Denkt darüber nach. Ah, ich hör schon wieder das stöhnen. «Aaaaah, wählen? Da muss ich aufstehen und raus gehen. Das will ich nicht. Da bin ich gefragt. Näh!»
Quellen im Allgemeinen:
Greenpeace über Ölkonzern, Oil Statistics, Largest Oil Companies in the World, Die Grünen zum Thema Verkehr
Mal wieder in nem Buch
14. April 2008

Gartenschau - 25 Bild: manul18 (cc-Lizenz)
Harr. Nach der Veröffentlichung einiger meiner Fotos für PR-Berichte und Publikationen über das Mustang-Museum in Künzelsau wird jetzt eine Fotostrecke von mir über die Landesgartenschau Waldkirchen auf Papier gebannt. Entstanden ist die Fotoreportage eigentlich für unser Intranet. Damit alle Mitarbeiter mal sehen können, was u. a. in unserem Auftrag alles entstanden ist. Hätte ich geahnt, dass da mehr draus wird, hätte ich mich natürlich mehr ins Zeug gelegt – und außerdem auf besseres Wetter gewartet.
Nachtrag: Und die nächste Anfrage flattert im Moment rein. Die Lions International wollen n Bild haben.
Instant Beziehungen
3. April 2008
Eben beim Mittagessen hab ich mit Tom über Beziehungen gesprochen. Er ist seit circa nem Monat verbandelt und – es war nicht anders zu erwarten – regt es ihn wieder auf. Keine Ruhe. Ständig muss man sich um jemanden kümmern. Der Sex ist jetzt schon wieder Standard. Fazit: alles schlecht. Nur mag er seinen Partner. Und hier ist das Problem. Wir haben also ein kleines Brainstorming darüber betrieben, wie er die Beziehung beendet, ohne dass er unfair zu seinem Ex in spe ist.
Dabei sind wir auch auf «neue», ungewöhnliche Formen von Beziehungen gekommen, die man der Öffentlichkeit natürlich nicht vorenthalten kann. Eine Möglichkeit sahen wir in einer Prepaid-Beziehung, die, im Voraus bezahlt durch Abendessen etc., später ausgelebt wird. Kommt aber der Prostitution nahe – deshalb haben wir dieses System wieder fallen lassen.
Nächster Punkt war dann eine Beziehung mit Vertragslaufzeit, welche – je nach Tarif – ohne Nennung von Gründen schriftlich 1 Woche vor Vertragsverlängerung gekündigt werden kann. Am besten fanden wir hier das Modell «Alice», welches monatlich kündbar ist. Probleme gibt es aber auch hier. Was passiert, wenn es mitten im Vertrag kriseln sollte? Dann hängt man in ner Beziehung fest, ohne rechtlichen Ausweg. Um die Sache dann auf eine höhere Stufe zu heben hätten wir uns gedacht, zeitlich begrenzte Ehen einzuführen. Die Idee ist aber alles andere als neu – zumindest seit Frau Pauli ihrer CSU von hinten in die Beine gegrätscht ist.
Zum Schluss lief es doch darauf hinaus, dass das jetzige Beziehungsmodell, wie es schon seit längerem in Gebraucht ist, an sich recht schlüssig und in Ordnung ist.
Nur hat das Toms Problem noch nicht gelöst. Wie Schluss machen? Eine Lösung haben wir nicht direkt gefunden – außer der direkten Aussprache. Er ist allerdings ein Spezialist in diesen Dingen, weshalb er schon unbewusst Brücken abgerissen hat, die er nicht mehr aufbauen kann. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis wir einen neuen Single im Büro haben.
Und deshalb hier noch ein kleines Zitat von John Dorian aka J.D. aus Scrubs: «It's hard to take positive steps, when you've burned the bridge you got to walk across.»
Kein Ort für Nazis
31. März 2008
Eine solche Aktion würde ich mir in Bayern auch wünschen. Wie schön, dass die Amadeu Antonio Stiftung wieder einmal voran geht und versucht, den Nazis mehr Gegenwind zu bereiten.
Vor allem in meinem Heimatort Fürstenzell, wo sich die NPD festsetzen will, wäre (noch) mehr Widerstand nötig. Stimmen zu den letzten zwei Demonstrationen hier, hier und hier.
Und am 12. April muss ich leider BWL ausfallen lassen. Da ist in Nürnberg große Demo zum Thema «1. Mai, Straße Nazi frei». Sorry – muss sein!
Interessante Gedanken – eine Relation
15. März 2008
Stimmt, BWL war tierisch interessant! Alle kamen Freitag Abend mit langen Gesichtern in die BAW. «Wäh, BWL.» «Scheiß Zahlen.» «Warum tu ich mir das an?» Auszüge aus den Gesprächen, die sich vor der Vorlesung ergaben.
Viel schlechtes hat man gehört. Über das Fach, den Dozenten – überhaupt. Ich persönlich wurde von einer lieben Kollegin, die selber schon diesen Dozenten in BWL hatte gewarnt. «Du wirst dich mit ihm anlegen. Da werden Kämpfe entstehen, die du nur verlieren kannst!» Ich bin trotzdem mit einer neutralen Meinung in die Veranstaltung – klar, auf Zahlenspielchen hab ich auch keinen Bock.
Im Grunde wurde mir bisher nicht viel neues erzählt. Die Grundzüge einer geschlossenen Marktwirtschaft ohne staatliche Eingriffe waren mir vorher schon durch logisches Denken klar. Und lange Zeit wusste ich nicht, auf welcher politischen Seite unser Dozent denn nun steht. Im Grunde weiß ich es auch heute nach insgesamt knapp 5 Stunden Vorlesung nicht. Ist auch nicht nötig. Denn im Grunde haben wir uns verstanden. Was die Vorlesung zu einer kleinen Lehre machte, wie Personen über all die Jahre in hohen Ämtern und als Geschäftsführer sich einen moralischen Ehrenkodex aufrechterhalten können, welcher sogar einen jungen Linken sagen lässt, dass sich dieser Dozent im Grunde nicht viel vorzuwerfen hat. Was weiß ich denn schon? Klar, politisch aktiv, für die Menschenrechte kämpfend, teils von politischen Idealen versaut, von welchen ich weiß, dass sie nicht halt- oder gar tragbar sind.
Nur habe ich auch gemerkt, dass man mit – oft falschen – Fakten, gut dosiert und zeitlich optimal eingesetzt, Studenten überrumpeln und damit beeindrucken kann. Im Grunde ist es auch egal, ob Franken nun 267 Brauereien hat (Quelle: Bayerischer Brauerbund) oder wie der Dozent behauptet 682. Mehr als 2,5 mal so viel – nur zum Inhalt der Vorlesung hatte es keinen nennenswerten Beitrag. Was es aber sagt ist, dass hier wohl jemand mit falschen Zahlen hantiert und vielleicht auch gezielt manipuliert.
«Kurt Tucholsky hat einmal gesagt: Er war ein guter Jurist, und auch sonst von mäßigem Verstand.» Zweimal haben wir diesen Satz gehört. Netter Spruch. Er hat auch für Gelächter gesorgt. Nur war er leider falsch. Dieser Satz stammt nämlich gar nicht von Kurt Tucholsky sondern von Ludwig Thoma und wurde außerdem noch falsch zitiert (nachzulesen hier, hier und hier). Und gleich noch ein Beweis für teils sehr gefährliches Halbwissen: «Früher hießen sie Schriftsetzer, später Drucker und heute Mediengestalter.» Määäääp. Selbst als Mediengestalter ausgebildet kann ich sagen, dass ich noch nie eine Druckmaschine bedient habe.
Deshalb hier ein kleiner Aufruf an meine Komolitonen, nicht alles gleich zu glauben und sich beeindrucken zu lassen. Das waren jetzt drei Beispiele. Und ich habe noch nicht ins BGB wegen der Mietverhältnisse gekuckt.
Was interessant war ist, dass ich scheinbar nicht anecke mit unserem BWL-Dozenten. Wir vertreten oftmals die gleiche Weltanschauung. Mindestlöhne? Her damit! Wir fressen den Armen deren Lebensgrundlage weg? Ja, leider! 2 Stunden ging es ganz nach dem wunderbaren Motto, «eine bessere Welt ist nötig!»
Heute hab ich mir noch Maybrit Illner vom Donnerstag Abend angesehen (zu finden in der ZDF Mediathek) und Jürgen Trittin hat vollkommen Recht wenn er anprangert, dass es nicht sein kann, dass Deutschland wieder einmal Exportweltmeister wird, die Binnenkonjunktur allerdings nicht so wirklich läuft. An was liegt es denn? Natürlich muss wieder mehr Geld an die Beschäftigten fließen um die Kaufkraft zu erhöhen. Ein klares Votum für den Mindestlohn. Herr Hundt vom BDA hatte dem auch nicht wirklich was entgegenzusetzen. Im Grunde überhaupt ein sehr enttäuschender Auftritt des Arbeitgebervertreters. Herr Wulf versuchte sich in eine Mystifizierung der Linken zu fliehen und traute sich zu zu sagen, dass er Angst vor der Linken hat. Wunderbar war aber, SPD Interna von Herrn Vogel (welcher mit immer wieder zum lachen bringt) und der – naja, nicht mehr wirklich neuen – Juso Bundesvorsitzenden Franziska Druhsel zu hören. Allen Respekt vor Frau Druhsel. Trotz scharfer Kritik an ihrer persönlichen Haltung und der der Jusos ließ sie sich nicht wirklich einschüchtern. Auch die Welt sah das so.
Abschließend lässt sich sagen, dass ich mich auf die nächsten BWL-Vorlesungen freue! Und eigentlich wollte ich etwas ganz anderes schreiben. Hab mich wohl wieder verzettelt. Dann kommt eben noch ein Eintrag. To be continued.
Die Wahlen – bald sind sie endlich vorbei
13. März 2008
Ich wollte mich in der Anfangszeit dieses Blogs – vor allem «historisch» gesehen – auf dieser Domain mich nicht zur Passauer Politik bzw. dem nervigen Wahlkampf äußern. Aber was mir gestern Nacht beim durchsehen der PaWo aufgefallen ist war bemerkenswert. Zwei Ganzseitige PR-Anzeigen unseres noch OBs, in welchen er damit wirbt, dass er «verstanden» habe. Schon allein die Antwort auf die Frage 2, welche Punkte es eigentlich waren, «die diesen Wahlkampf beherrscht haben»? Bravourös! Zankl: «Leider nur das Geradeausfahrverbot in der Ringstraße, die Architektur des Stadtturms, die städtischen Töchter Event und WGP und einiges anderes mehr.» (Hervorhebung von mir). Leider nur? Und einiges mehr? Hätten Sie denn lieber einen Präsidentschaftswahlkampf geführt? Sich um bundespolitische Themen gekümmert? Wir sind hier in Passau. Hier ist halt einfach nicht so viel los. Hier kann man über Themen wie das Geradeausfahrverbot diskutieren. Über die zwar zu begrüßende Neue Mitte, aber die äußerst mangelhafte Umsetzung des bisher Existierenden. Und natürlich über die WGP! Über welche Themen wollen Sie denn sonst reden? Dass jetzt schon ein Jahr über ein öffentliches Klo in der Neuen Mitte diskutiert wird? Sich die Leute dadurch verarscht fühlen? Vielleicht über das abgewatschte Europäische Haus? Ah nein, da wurden ja Sie persönlich abgewatscht. Oder vielleicht darüber, dass die Innstadt im Verkehrschaos versinkt?
Nö, das gehörte ja zu dem einigen anderem mehr. Der herbeigehirnwichsten Verkehrsführung. Denn hier wurde darüber diskutiert. Nur nicht von Ihnen. Sie haben sich in diesem Punkt äußerst rar gemacht. Ich als Innstädter bin schließlich direkt betroffen und kann mit gutem Gewissen sagen, dass Ihr «Sofortmaßnahmenkatalog» eben KEINE Wunder bewirkt hat. Dass ich die Freude Ihrer Kontrahenten über eine neue Brücke auch nicht teilen kann muss ich hier fairnesshalber ebenfalls erwähnen. Denn das wäre für die Steuerpolitik klar ein rießiges Desaster. Dann würden noch mehr Passauer nach Österreich kommen. Vielleicht könnte dann gleich noch eine neue Tankstelle direkt an der Grenze eröffnen. Mir persönlich ist es egal. Ich muss sowieso über den Inn. Ich tanke ganz klar in Österreich.
Im Grunde kann man sagen, dass diese Wahl eigentlich sehr schwer war. Denn kein OB-Kandidat hat wirklich überzeugen können. Nur Sie haben es dem Wähler in der Vergangenheit sehr leicht gemacht. Ich werde, wie schon beim Europäischen Haus, bei dieser Stichwahl gegen Sie stimmen. Dadurch kann ich Nachts besser schlafen und Passau wird endlich wieder Rot. Der Zustand des Stillstands und der Blockade hat dann hoffentlich ein Ende.
Deshalb kann ich Ihren kleinen, letzten Frustversuch verstehen. Doch wieso die PaWo? Lag es am Preis (PaWo: 1/1-Seite, 1c, 3.919,20 Euro; PNP: 1/1-Seite, 1c, Ausgaben Passau Stadt, 4.082,54 Euro)?
Ganz gelesen habe ich Ihr «Interview» jedoch nicht. Nachdem sie die WGP hervorragend dastehen haben lassen setzte eine solch schlimme Form des Fremdschämens ein, wie sie sonst nur beim gucken von Stromberg einsetzt. Ich habe umgeblättert. Bin da direkt auf Ihr «Leserforum» gestoßen und musste auch hier nach dem ersten «Leserbrief» umblättern. Wieder zu peinlich.
Viel Glück, Herr Z. Sie werden es brauchen können. Ich freue mich schon auf die Zeit nach Ihnen!
Der Wahlkampfprofiler von nebenan berichtet übrigens auch über Zankls Anzeigen.
Nachtrag: der Rest dieser PaWo-Ausgabe ist allerdings vorzüglich. Wir haben einen Ufoforscher, welcher mit sechs Jahren scheinbar schon so besoffen war, dass er kleine Männlein mit Kapuzen neben seinem Bett stehen sah. Und wir haben einen Sexskandal, wegen dem eine Politikerin ihren Job verloren hat. Nur hat sie eigentlich nicht wegen des Sexskandals den Job verloren, sondern wegen Parteiarbeit während der Arbeitszeit. Aber das Wort Sexskandal in einer Headline macht sich klar besser! Fehlen nur noch iPhone und MacBook Air in der nächsten Überschrift, wenn es eigentlich um elektrische Heizdecken geht.


