In Flammen

18. Juni 2008

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Naja Leute, das war knapp. Heute Morgen turnten ein paar Elektriker durch unser Büro. Dezent habe ich die Typen erst ignoriert, um danach mal kurz nachzufragen, was die hier eigentlich wollen. «Der Kabelanschluss ist seit einer Woche kaputt. Den reparieren wir jetzt.»

Als erstes Schoss mir sämtliches Blut aus dem Kopf und ein kleines Hassgefühl stieg in mir auf. Ich sah farbige Gewaltfantasien vor meinem geistigen Auge. Panik.

SEIT EINER WOCHE IST DER KABELANSCHLUSS DEFEKT!?

Und das in Zeiten der EM. Hätte ich jetzt länger arbeiten müssen, hätte ich kurz vor Anpfiff festgestellt, dass die Vorstellung zumindest im Büro ausfällt. Und jetzt finde in Grafenau mal einen Ort, der die EM zeigt. Meinem Chef hab ich dann kurz am Telefon mitgeteilt, dass ich die Bude angezündet hätte, wäre dieser Fall eingetreten.
Die Pressekonferenzen letzte Woche konnte ich mir aber noch ansehen. Immerhin.

¬ geschrieben von Tip Lewis in Gefühle

Die Sache mit den Farben

16. Juni 2008

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Das Thema begegnet einem aber auch ständig zur Zeit. In meinem Umfeld bin vor allem ich es, der die Leute auf die Nase haut. Was ist es, dass plötzlich alle mit Deutschlandfähnchen auf der Backe rumlaufen? Bisher hab ich einen Aspekt noch nie so formuliert wie Frédéric von Spreeblick, nämlich:

(...) Die Kombination aus Tiefschwarz, Verkehrsrot und Rapsgelb ist derart abstoßend, dass sie sich außerhalb Deutschlands in dieser Verteilung nur noch Belgien, Saugeais und Besançon hat durchsetzen können. Hässlicher als die deutsche Flagge ist vielleicht noch Franjo Pooth, aber auch das ist nicht sicher. (...)

Mein Argument war schlicht, dass die deutsche Flagge einfach hässlich ist. Punkt. Hat meist den Argumenten standgehalten.


Bild: dr. motte (cc-Lizenz)

Was aber wirklich gefährlich ist bei der Aussage, dass sich das ganze «doch nur um Fußball handelt» ist, dass die Leute nur zusehen können. Sie können nur sehen, wie Deutschland gegen Kroatien verliert – und danach haun sie vor Ohnmacht und Hilflosigkeit einem Kroaten auf die Schnauze.
Bei der WM war es anders. Da waren die Deutschen nicht allein im Land – es waren Aufpasser und Dämpfer hier. Wenn Deutschland spielte und man beim Public Viewing zuguckte, standen genügen Kanadier, Türken, Brasilianer dabei – machen wirs kurz: das Publikum war bunt gemischt, die ganze Welt war da. Da konnte man nicht einfach ausflippen und jedem Nichtdeutschen aufs Maul geben. Beim ersten Deutschlandspiel dieser EM wurde mir aber klar, dass es jetzt anders ist. Da wird, wenn die Zuschauer keine Stimmung in der Fuzo machen, «und ihr, wollt gute Deutsche sein?!» skandiert, die fünf Polen in der Menge ständig geschubst und angepöbelt und mit einem gegrölten «Deutschlands Panzer rollen wieder» dem ganzen die Krone aufgesetzt.

Ein Einzelfall? Wohl kaum. Kollegen erzählten mir von anderen Public Viewing Veranstaltungen bei denen es genauso, wenn nicht heftiger zuging.

Hans-Christian Ströbele hat für den Tagesspiegel einen schönen Essay geschrieben, der meine Gefühle sehr gut wiederspiegelt und den ich nicht zitieren kann. Er muss einfach ganz gelesen werden.

Eines meiner Argumente erzeugt ganz oft ein langes Nachdenken: ich bin 3 km von der Grenze zu Österreich geboren. Wäre ich nur ein wenig weiter östlich frisch gepresst worden, wäre ich jetzt Österreicher und könnte mich über Córdoba freuen. Also: was habe ich schon geleistet, dass ich so stolz sein könnte, ein Deutscher zu sein? Wieso MUSS ich mich mit dieser Nationalmannschaft identifizieren? Wieso MUSS ich einen schwarz-rot-goldenen Lappen schwenken? Denn das wird oft verlangt?

Deswegen konnte ich die Idee von Grenzen noch nie so ganz verstehen. Und nur damit wir uns richtig verstehen. Mein Team in diesem Turnier – und auch bei der WM 06 schon – ist Deutschland. Warum? Weil es Grenzen eben gibt. Und weil dieses Team die Region vertritt, in der ich zur Zeit lebe. Weil sie meistens schönen Fußball spielen. Weil das Land kompakt gesagt gar nicht schlecht ist.
Die anderen europäischen Länder allerdings auch nicht. Deswegen habe ich noch eine zweite Mannschaft für die mein Herz schlägt – und das fast mehr als für Deutschland: Italien. Wieso? Weil ich von dieser Region überzeugt bin. Die Menschen sind fröhlich, freundlich, die italienische Küche ist mitunter die Beste, die Landschaft und das Klima sind wunderbar. Natürlich gibt es auch hier Nationalisten. Auch hier ist die Geschichte sehr brisant. Trotz alledem besitze ich eine Italienflagge. Und ich nutze sie bei solchen Turnieren. Schon allein deswegen, da ich schon mal kaum als Nationalist in Italien gelten kann – schließlich bin ich dort Ausländer. Aber auch wegen meiner Vergangenheit. Monatelang, ach, jahrelang bin ich fast jedes Wochenende nach Italien und habe dort meine damalige Freundin besucht, viele Freunde gefunden und mich schließlich in dieses Land verliebt.

Vielleicht ist es für manchen nicht ganz schlüssig wie ich denke. Ich muss auch zugeben, dass ich mit der Tatsache, Deutschland mitunter zu favorisieren, Bauchweh habe. Das ganze ist eine kognitive Dissonanz, die ich noch nicht gelöst habe. Wer weiß, vielleicht hilft dieser Post oder Kommentare dazu, die Blockade zu lösen.

Und zum Schluss möchte ich noch auf die Aktion Deutsch mich nicht voll verweisen. Schön zu sehen dass es noch mehr Menschen gibt, die zumindest so ähnlich denken wie ich.

Nachtrag: Herr Metronaut regt sich auch über diesen «lockeren Patriotismus» auf.

¬ geschrieben von Tip Lewis in Gefühle, Leben, Politik, Pop

Weg. Einfach weg.

31. März 2008

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Seit einer Woche quält mich jetzt der Gedanke, einfach nach Berlin zu ziehen. Er kam nicht so ganz überraschend – aber dafür unerwartet intensiv und plötzlich. Schon seit Jahren will ich weg hier. Doch zu viele Verpflichtungen haben mich bisher davon abgehalten, Passau – und somit auch meiner Familie, den Freunden, allen – den Rücken zu kehren. Wohnung kündigen, Job kündigen, Kisten packen, neue Wohnung suchen, Job suchen, fertig. Scheinbar so einfach und doch tierisch schwer – jeder kennt schließlich die Angst zu verarmen. Jetzt könnte man natürlich sagen, dass man einfach mal was riskieren sollte um glücklich zu werden.

Und das will ich jetzt tun – weggehen. Als Aufbauhilfe hab ich mir noch schnell «Wir nennen es Arbeit» zugelegt – von dem ich mir erhoffe ein wenig Mut zugesprochen zu bekommen. Im Moment pendel ich ständig zwischen «Chef, ich finds toll hier, aber ich muss weg. Ich kündige!» und «Jetzt machst du diese Woche deine Bewerbung und dann geht's ab.». Und schon nervt es mich wieder. Ab diesem Zeitpunkt ist es zu unspontan. Das, was ich so sehr mag, das kurzfristige, geht verloren. Auch wenn es eine tiefschneidende Entscheidung ist – es ist zu sehr geplant.

Auch der wöchentliche Weg nach Nürnberg würde sich dadurch ein bisschen verlängern. Von 4 Stunden im Zug sitzen würden es 9 Stunden ICE-Fahrt werden. Aber dann könnte ich mir endlich meine so sehr gewünschte BahnCard 100 zulegen. Welch Freude. Dann kann die Bahn von mir aus gerne ihre scheiß Tickets teurer machen.

Ich bewundere die Menschen, die zufrieden sind mit ihrer Umgebung. Silke, eine Kollegin, ist so sehr mit ihrem Heimatort verbunden, dass sie total krank wurde, als sie mal für ein halbes Jahr in ner 30 km entfernten Kleinstadt gelebt hat. Sie ist wieder zurückgezogen und glücklicher den je. Auch meine Jugendfreunde denken gar nicht dran aus unserem Heimatort wegzugehen. So sehr sind sie mit ihrer Heimat verbunden. Mich hingegen hat es schon immer herumgetrieben. Und wenn es nur ein Kurztripp übers Wochenende war. Ich musste raus aus der Kleinstadt, hinein in die großen Metropolen.
Ein Wegzug nach New York war schon geplant – sogar der Job war schon da. Nur leider hab ich aus irgendwelchen Gründen, die mir bis heute nicht klar sind, meine gewonnene GreenCard nicht bekommen. Fuck!
Dann war, angestiftet durch meine dort produzierte Abschlussprüfung, Barcelona im Gespräch. Da scheiterte es aber leider an den Spanischkenntnissen. Schade. Jetzt könnte ich Spanisch, es zieht mich aber wenn dann wieder mehr nach Italien. Und dazu wäre mein Italienisch zu schlecht. Aber eigentlich sind das nur Ausreden. Hmm. Bin ich doch zu feige?
Wie auch immer. Berlin war für mich schon immer faszinierend. Und außerdem geht mir jetzt das Licht auf, dass, egal wann, immer ein schlechter, oder anders gesehen ein guter Zeitpunkt ist, um dorthin zu gehen.

Keine Ahnung woran es liegt, dass es mich immer herumtreibt. Zum Beispiel konnte ich noch nie etwas mit den Traditionen hier bei uns im verschlafenen Niederbayern anfangen. Klar mag ich Volksfeste und wenn junge Menschen in Tracht dort rumlaufen.
Auch mag ich es, dass es zum Teil hier so gemütlich ist. Man sieht ständig Natur: Hügel, grüne Wiesen, Berge, Wälder. Aber es ist halt auch nichts los. Außerdem sind die Leute sehr prüde und konservativ – CSU-Land eben.

Wie auch immer. Die Bewerbung ist schon im Entstehen. Mal sehen, wie viele Seiten es werden – die Ideen dazu sind jedenfalls schon sehr geil!

Zumindest kann ich Nachts wieder schlafen und werde nicht von dem Gedanken des Umzugs wach gehalten. Eine Woche lang reicht definitiv!

¬ geschrieben von Tip Lewis in Gefühle, Uni

Eine Hassliebe

25. März 2008

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Meine Füße sind kalt. Und warum sind sie kalt? Weil sie nass sind. Und warum sind sie nass? Weil der Schnee bis hoch zu meinen Schienbeinen liegt – ganz genau. Kniehoch! Eine ganze Stunde hat heute der Weg in die Agentur gedauert. Doppelt so lange wie sonst. Aber dafür kann der Schnee nur bedingt was. Schuld sind eher die Autofahrer, die ihr verficktes verdammtes Auto am liebsten schieben würden. Mal ehrlich Leute. Klar fährt man langsamer wenn ein wenig (ein wenig!) Schnee auf der Straße liegt. Aber dann zwischen 20 und 30? Ich weiß ja nicht!

Der Morgen ging aber dann schon so wunderbar weiter. Denn: wer war der erste Kollege den ich auf der Straße gesehen hab? Meine verhasste geliebte leider bald fest angestellte Noch-Praktikantin. Da freut sich das Herz.

Der restliche Morgen: Kaffee lecker, Arbeit geht zügig weg, 3 Projekte heut schon abgeschlossen. Wird auch Zeit. Schließlich liegen 3 große Events (Kommunikation, teils Organisation) vor mir. Da kann ich jede Minute gebrauchen.

Meine Kollegen freuen sich im übrigen, dass man wieder Langlaufen kann. Ich brauch auch wieder Langlaufski. Nicht umsonst haben wir einen Hersteller Selbiger im Portfolio.

Für dieses Jahr kann ich abschließend zum Schnee sagen: mit dir ist das so eine Hassliebe. Du Arsch!

¬ geschrieben von Tip Lewis in Gefühle, Leben

Chucks sind nicht wasserdicht

17. März 2008

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Das hab ich heute Morgen am eigenen Leib erfahren. Komisch war schon, dass ich ohne große Probleme aufstehen konnte. Vielleicht ist die Phase, in der ich normalerweise schon auf dem Weg ins Büro war erst aufgestanden bin, wieder vorbei? Doch darum geht es jetzt nicht.
Um was es eigentlich geht ist, dass das Wetter zur Zeit beschissen, bekackt, verfickt, hatte ich beschissen schon? nicht sonderlich optimal ist. Nicht um Drinnen zu sitzen, da man immer das Licht anhaben muss, was das Konto angreift. Nicht um Draußen etwas zu tun. Weil man dann krank wird und sich beim Versuch, auf den Bahngleisen vor der Tür singen einen Liebesantrag zu machen, eventuell den Fuß bricht. Und auch nicht um zum Auto zu hetzen und trotzdem pitschnass zu werden. Sozusagen von Drinnen nach Draußen zu wechseln, um Drinnen (im Auto) wieder Schutz zu finden. Häh?
Ich glaub man versteht was ich meine. Und ich kann es nicht oft genug wiederholen.

ICH HASSE DIESES WETTER!

Wenn jetzt Sommer wäre und man sich ein Gewitter herbeisehnt, um einen gemütlich-romantischen Abend auf dem Balkon zu verbringen, dann ist das wieder was anderes. Ich versteh auch, dass unsere Pflanzen Wasser brauchen – die Säue! Aber kann diese Natur nicht mal ein wenig fair sein und in Afrika die ganze Scheiße abregnen? Dann haben die etwas mehr Wasser, wir etwas weniger. Win/Win. Auch wenn's das gar nicht gibt.

Fuck! Schon wieder wird der Regen stärker. Ich will meinen Grill aufstellen und mir die Pfoten verbrennen.
Ich dreh hier noch durch!

¬ geschrieben von Tip Lewis in Gefühle

Schnee

14. März 2008

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Viel. Gemischt mit Regen. Den zweiten Tag schon.

¬ geschrieben von Tip Lewis in Gefühle

Märkte im Visier

25. Februar 2008

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Viel gibt es noch nicht dazu zu sagen. Ein paar Wochen ist das Semester alt, schon gibt es die ersten Gerüchte. Und interessanterweise bei diesen Themen werde ich in den Credits meist unter Starring benannt – sprich, spiele die Hauptrolle. Heute Morgen lag die unscheinbare Mail im Posteingang. Ob ich gut Heim gekommen wäre wollte der Kollege wissen. Und ob er mich fragen dürfe, ob ich etwas mit einer Kommilitonin – nennen wir sie S. –, ob ich also etwas mit S. hätte.
Eigentlich nein, du darfst nicht fragen. Aber es ist noch früh. Ich verkneife mir diese Antwort erst einmal und gehe zur Kaffeemaschine. Wir haben wunderbaren Kaffee im Büro. In der Maschine frisch gemahlen, mit der Aussicht auf die belebteste Kreuzung der Stadt. Ich setze mich. Es ist schon warm, die Sonne quält sich durch die naturweiße Stoffjalousie. Durch das offene Fenster hört man die ersten winterharten Vögel ihr Lied trällern. Ab und zu erklingt das Rauschen eines Lkws oder das Lachen und Musizieren des benachbarten Kindergartens. Der Kaffee duftet – er tut gut. Noch herrscht Stille im Büro. Eine tolle Wärme breitet sich im ganzen Körper aus. Den ganzen Beitrag lesen.

¬ geschrieben von Tip Lewis in Gefühle, Pop

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