Weg. Einfach weg.

31. März 2008

Seit einer Woche quält mich jetzt der Gedanke, einfach nach Berlin zu ziehen. Er kam nicht so ganz überraschend – aber dafür unerwartet intensiv und plötzlich. Schon seit Jahren will ich weg hier. Doch zu viele Verpflichtungen haben mich bisher davon abgehalten, Passau – und somit auch meiner Familie, den Freunden, allen – den Rücken zu kehren. Wohnung kündigen, Job kündigen, Kisten packen, neue Wohnung suchen, Job suchen, fertig. Scheinbar so einfach und doch tierisch schwer – jeder kennt schließlich die Angst zu verarmen. Jetzt könnte man natürlich sagen, dass man einfach mal was riskieren sollte um glücklich zu werden.

Und das will ich jetzt tun – weggehen. Als Aufbauhilfe hab ich mir noch schnell «Wir nennen es Arbeit» zugelegt – von dem ich mir erhoffe ein wenig Mut zugesprochen zu bekommen. Im Moment pendel ich ständig zwischen «Chef, ich finds toll hier, aber ich muss weg. Ich kündige!» und «Jetzt machst du diese Woche deine Bewerbung und dann geht's ab.». Und schon nervt es mich wieder. Ab diesem Zeitpunkt ist es zu unspontan. Das, was ich so sehr mag, das kurzfristige, geht verloren. Auch wenn es eine tiefschneidende Entscheidung ist – es ist zu sehr geplant.

Auch der wöchentliche Weg nach Nürnberg würde sich dadurch ein bisschen verlängern. Von 4 Stunden im Zug sitzen würden es 9 Stunden ICE-Fahrt werden. Aber dann könnte ich mir endlich meine so sehr gewünschte BahnCard 100 zulegen. Welch Freude. Dann kann die Bahn von mir aus gerne ihre scheiß Tickets teurer machen.

Ich bewundere die Menschen, die zufrieden sind mit ihrer Umgebung. Silke, eine Kollegin, ist so sehr mit ihrem Heimatort verbunden, dass sie total krank wurde, als sie mal für ein halbes Jahr in ner 30 km entfernten Kleinstadt gelebt hat. Sie ist wieder zurückgezogen und glücklicher den je. Auch meine Jugendfreunde denken gar nicht dran aus unserem Heimatort wegzugehen. So sehr sind sie mit ihrer Heimat verbunden. Mich hingegen hat es schon immer herumgetrieben. Und wenn es nur ein Kurztripp übers Wochenende war. Ich musste raus aus der Kleinstadt, hinein in die großen Metropolen.
Ein Wegzug nach New York war schon geplant – sogar der Job war schon da. Nur leider hab ich aus irgendwelchen Gründen, die mir bis heute nicht klar sind, meine gewonnene GreenCard nicht bekommen. Fuck!
Dann war, angestiftet durch meine dort produzierte Abschlussprüfung, Barcelona im Gespräch. Da scheiterte es aber leider an den Spanischkenntnissen. Schade. Jetzt könnte ich Spanisch, es zieht mich aber wenn dann wieder mehr nach Italien. Und dazu wäre mein Italienisch zu schlecht. Aber eigentlich sind das nur Ausreden. Hmm. Bin ich doch zu feige?
Wie auch immer. Berlin war für mich schon immer faszinierend. Und außerdem geht mir jetzt das Licht auf, dass, egal wann, immer ein schlechter, oder anders gesehen ein guter Zeitpunkt ist, um dorthin zu gehen.

Keine Ahnung woran es liegt, dass es mich immer herumtreibt. Zum Beispiel konnte ich noch nie etwas mit den Traditionen hier bei uns im verschlafenen Niederbayern anfangen. Klar mag ich Volksfeste und wenn junge Menschen in Tracht dort rumlaufen.
Auch mag ich es, dass es zum Teil hier so gemütlich ist. Man sieht ständig Natur: Hügel, grüne Wiesen, Berge, Wälder. Aber es ist halt auch nichts los. Außerdem sind die Leute sehr prüde und konservativ – CSU-Land eben.

Wie auch immer. Die Bewerbung ist schon im Entstehen. Mal sehen, wie viele Seiten es werden – die Ideen dazu sind jedenfalls schon sehr geil!

Zumindest kann ich Nachts wieder schlafen und werde nicht von dem Gedanken des Umzugs wach gehalten. Eine Woche lang reicht definitiv!

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One Response to “Weg. Einfach weg.”

  1. 550nm Says:

    respekt!!!! :D ich freu mich für dich über die entscheidung!
    und so lang du unser schönes nürnberg noch jeden freitag (ok, außer in den ferien *zwinker*) besuchst, darfst du umziehen wohin du willst ;))

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